Das Grafengeschlecht von Schlitz genannt von Görtz


 

Aus: Adelsbuch Hessen und anderen Büchern, u.a.  Brockhaus, Ausgabe 1924:

 

Johann Friedrich von Schlitz gen. von Görtz trat nach Jahren des Dienstes in Würzburg und Mainz etwas 30jährig in den Reichsdienst ein  und wurde mit Kaiser Leopold bekannt. Er war in diplomatischer Mission am Rande der türkischen Belagerung Wiens im Jahre 1683 tätig. Er soll das entscheidende Eingreifen Johann SOBIESKIs von Polen ermöglicht haben.

 

Friedrich Wilhelm stand als Diplomat in holsteinischen-gottorfschen Diensten. Als Johann Friedrich nach dem Tode seines Vaters Johann Volprecht  (+ 3. Juni 1677) die Erbschaft als Senior in Schlitz antreten und den kaiserlichen Dienst quittieren mußte, machte Leopold am 15. Juli 1677 dem 33jährigen Junker ein respektables Abscheidsgeschenk: Er ernannte ihn zum Reichsfreiherrn,  und sein Bruder Friedrich Wilhelm bekam den Titel gleich mit.

 

Durch die Standeserhebung wollte der Kaiser -das kommt im Adelsbrief deutlich zum Ausdruck- die geschichtliche Bedeutung der Familie Görtz hervorheben. Die kaiserliche Kanzlei erwähnte die löbliche Regierung des BERTHOUS von Schlitz als Abt von Fulda im 12. Jahrhundert, die Dienste, die die Herren von Schlitz als Domherren sowie in "Raths- und Regimentstellen trewlich" geleistet hätten, nennt den Ritter Eustachius von Schlitz als "Geheimer Rath und Statthalter" von Fulda und schließlich Johann Volprecht von Schlitz (den Vater der frisch gebackenen Freiherrn) der "viel Jahr daß Directorium der ganzen fränkischen Ritterschaft wie auch die Hauptmannschaft deß Orth Rhön und Werra zu Unserer Kayserlichen Vergnügen wohl versehen" habe.

 

Aus: Ein Streifzug durch die Schlitzer Geschichte von Heinrich Sippel / Seite 164

 

"......... Im Jahre 1563 wurde denen von Schlitz das Pfarrbesetzungsrecht zugestanden. Sie konnten sich jetzt die Parrer selbst heraussuchen. Kein Abt redete ihnen mehr dazwischen. Die Herrschaft  Schlitz war evangelisch geworden. ......... Wie sehr der Protestantismus in Fulda Oberhand gewonnen hatte, beweist die Tatsache, daß EUSTACH das Statthalteramt von Fulda (Stellvertreter des Regenten), den einflußreichsten Dienstposten, den der Abt überhaupt zu vergeben hatte, übertragen bekam. .........."

 

Aus: Ein Streifzug durch die Schlitzer Geschichte von Heinrich Sippel/Seite145   -in Auszügen-

 

 

Görtz, Schlitz genannt von Görtz, altes deutsches Geschlecht, besitzt die früher reichsunmittelbare Herrschaft Schlitz an der Fulda, 1677 in den Reichsfreiherrenstand, 1726 in den Reichsgrafenstand, erhoben, blüht noch in den Linien zu Schlitz und zu Wrisberg.

Georg Heinrich Freiherr von Görtz, * 1668, erst in holsteinischen Diensten, 1715 Finanz- dann  Premierminister Karls VII von Schweden, erstrebte eine russ. Allianz, ward nach des Königs Tode von der schwedischen Adelspartei gestürtzt, 12 März 1719 enthauptet.

 

Graf Hermann von Görtz-Wrisberg, * 5. April 1821 in Hannover, 1883 Vorsitzender des braunschweigischen Staatsministeriums, 1884 des Regentschaftsrats, schloß 1886 die Militätkonvention mit Preußen ab, gstorben 22. Februar 1889

 

Graf Emil von Görtz *  15.02.1851, Bildhauer  bis 1902 Direktor der Kunstschule zu Weimar, gestorben 9. Oktober 1914 in Frankfurt a.M. Denkmalsgruppe Ludwigs des Römers in der Berliner Siegesallee

Eustachius von Schlitz gen. von Görtz war um 1590 Statthalter Fuldas. Der Administrator Maximillian zu Fulda bestallte ihn  am 22. Februar 1590 auch zum Amtmann zu Steinau. Am selben Tag ernannte Eustachius v.S. g. v. Görtz   Thomas Vogel   "zu einem Vogt im Amt Steinau".

Wer hat weitere Aufzeichnungen zu obigen Eustachius von Görtz?

 

Görtz gen. von Schlitz, Johann Enstach GJ,

 

* 5.4.1737 Schlitz, + 7.8.1821 Regensburg. Die edel­freier Vasallität der Reichsabtei Fulda im 12. Jh. entstammenden von Schlitz, die seit Lienenteilun­gen des 14.Jh verschiedene Beinamen führten, gehörten zu den bedeutendsten ev. Reichsritterfamilien des fränk. Kantons Rhön-Werra, die auch in ftl Diensten hohe Stellen erklommen. Die Linie Görtz erhielt durch den kurbraunschweig. Premier­minister Friedrich Wilhelm (1647-1728) 1726 die Reichsgrafenwürde. Seine Söhne begründeten die Linien Schlitz (Oberhessen) und Rittmannshausen (bei Göttingen), von denen die erstere 1804 die Aufnahme in das wetterauische Gf.-Kollegium und 1829 die Anerkennung als Standesherren fand.

 

Georg Heinrich Frh. von Görtz.

 

(1668 - 1719) stieg in Holstein-Gottorpschen Diensten im Nordischen Krieg als Virtuose barocker Kabinettspolitik erst zum leitenden Staatsmann der Hertztümer und dann ohne offizielle Bestallung seit 1716 zu dem in Schweden auf und wurde nach dem Scheitern seiner verwegenen Schaukelpolitik nach einem einsei­tigen polit. Prozeß in Stockholm hingerichtet,

 

Johann Etistach von Görtz

 Enkel des kurbraunschweig. Pre­mierrninisters, Sohn eines Hannoverschen Schloßhauptmanns, wurde l762 am Hof derHz. in Anna Amalie von Sachsen-Weimar Erzieher des Erbprin­zen Karl August, nahm nach dessen Regierungs­antritt wegen der Bevorzugung  Goethes den Abschied und versah  für Friedrich II. von Preußen 1778 die schwierige Mission bei den Witteilsbacher Höfen zur Vorbereitung des Bayer. Erbfolgekriegs. Als preuß. Botschafter in St. Petersburg 1779-85 vermochte er die österr. Allianz nicht zu verhin­dern, in den Niederlanden scheiterte er 1787 in sei­nem Auftrag, zwischen dem Erbstatthalter und der Patriotenpartei zu vermitteln. Seit 1788 kurbran­denb. Gesandter am Reichstag, vertrat «das Orakel von Regensburg» dort, in Rastatt und beim Reichs­deputationshauptschluß mit Umsicht und Erfolg die Monarchie bis zum Ende des Alten Reiches, dem der schwerblütige und verschlossene, zu Hypochondrie neigende Reichsritter zutiefst verbunden war. Seither lebte er in Regensburg.

 

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